Warum kann ich Wacholder nicht weglassen?!

IMG-20160813-WA004019.08.2016 – Warum kann ich Wacholder nicht weglassen?!
Was Gin eigentlich ist.

«Weil Du sonst keinen Gin trinken würdest.» Ist die einfache Antwort.
Gin ist ein Wacholderschnaps. Heutzutage wird dieses sogar durch eine EU-Verordnung geregelt, unser Ginstallateur gibt (auch deswegen) eine Mindestintensität der Stufe 1 für Wacholder vor.

Auf Seite 22 der EU-Verordnung heißt es unter Punkt 20:

a) Gin ist eine Spirituose mit Wacholdergeschmack, die durch Aromatisieren von Ethylalkohol landwirtschaftlichen Ursprungs, der entsprechende sensorische Eigenschaften aufweist, mit Wacholderbeeren (Juniperus communis L.) gewonnen wird.

b) Der Mindestalkoholgehalt von Gin beträgt 37,5 % vol.
[…]
Danke liebe EU. Damit wissen wir eigentlich schon die Antwort auf unsere Frage: Fehlt es an dem Geschmacksstoff der Wacholderbeere, handelt es sich, schon der Bezeichnung nach, nicht um einen Gin.
Warum Wacholder?

Für die Zugabe von Wacholder gibt es einige Erklärungen, eine geht so:

Franziskus de la Boë hatte ein Mittel gegen Magen- und Verdauungsprobleme erfunden: Genever. Hauptbestandteil war Wacholder, dem eine Wirkung als Arzneimittel noch immer zugeschrieben wird. In den Niederlanden wurde der Schnaps bald eher wegen seines Geschmacks als seiner medizinischen Wirkung getrunken und kam – schon beliebt – während des spanisch-holländischen Krieges (1568-1648) nach England.

Aufgrund steuerlicher Vorteile wurde der Genever in England zum Volksgetränk: Ein großer Teil der Spiritousen waren Importprodukte (oft aus Frankreich) und mussten besteuert werden, Bier war niedrigprozentiger und brachte deswegen oft nicht den gewünschten Effekt. Spätestens hier etablierte sich auch das Wort Gin als Mundart für Genever. Ab 1750 war Gin so beliebt, dass der Konsum in weiten Teilen der Bevölkerung gesundheitliche Probleme verursachte, es kam zur sogenannten Gin-Epedemie. Kein Wunder, es ist ja auch ein leckeres Zeug.

Im frühen 19. Jahrhundert wurde Chinin zur Malariaprophylaxe von britischen Beamten und Offizieren eigenommen. Das bittere Chininpulver wurde mit Zucker und Soda aufgegossen um den Geschmack erträglicher zu machen, so wurde das Tonic Water geboren. Der ohnehin beliebte Gin wurde (selbstvertändlich zur Bekämpfung der Bitterkeit) noch obendrauf gekippt. Der erste Longdrink der Welt war entstanden: Gin-Tonic.

Die Beliebtheit schwappte nach Amerika und wurde dort auch durch die Prohibition nicht gebrochen, im Gegenteil: Man versetzte die dort üblichen Spirituosen (Kartoffel- und Kornbrände) mit Wacholder um den Alkoholgeruch zu überdecken. Außerdem wusste man, dass es schmeckt. Die geniale Idee «Die Schnapsfahne wird einfach durch eine Wacholderfahne überschrieben… schon weiß keiner, dass ich getrunken habe!» wurde mit umstrittenem Erfolg allerorts umgesetzt.

Seitdem gibt es Gin in allen Variationen und fast überall auf der Welt. Immer mit Wacholder.
Zuerst wegen seiner medizinischen Wirkung gegen Magenbeschwerden. Dann um die eigene Alkoholfahne zu verdecken.
Zuletzt um den Chiningeschmack des Tonic Waters zu mildern.

Das ist ein Grund, warum Wacholder in einen Gin gehört: Seine Geschichte.